Die Inspirationsquelle

E. T. A. Hoffmann (1776-1822) ist uns heute zwar vor allem als romantischer Schriftsteller bekannt, war jedoch Zeit seines Lebens ein Mehrfachkünstler. Einerseits studierter Jurist, galt seine Liebe andererseits Musik und Literatur. 1808 übernahm er sogar eine Kapellmeisterstelle am Bamberger Theater. Dort war ihm jedoch kein Erfolg beschieden, sodass er sich darauf beschränkte, Privatunterricht zu geben und geselligen Umgang mit Kunstliebhabern zu pflegen. Der Verleger der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ gab Hoffmann die Möglichkeit, Musikkritiken zu schreiben. Zu diesem Anlass wurde die Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler geboren. Später entstand daraus das Werk „Kreisleriana“. Diese mehrteilige Erzählung verbindet Autobiographisches mit Fiktivem und zeigt die Gratwanderung eines Künstlers zwischen Genie und Wahnsinn.

Das Kapitel „Kreislers musikalisch-poetischer Klub“ ist Teil der Erzählung „Kreisleriana“ und inspirierte Matthias Wenger zu seiner gleichnamigen Komposition. Die Handlung des Kapitels ist folgende:

Sechs Freunde treffen sich einmal die Woche bei Hofkapellmeister Johannes Kreisler zum „musikalisch-poetischen Klub“. Kreisler pflegt zu Beginn des Abends für die Herren mit Klavier und Worten zu improvisieren. Wegen eines Missgeschicks – die Dochtschere des Kerzenleuchters fällt ins Klavier – zerspringen mehrere Saiten. Es scheint für Kreisler an diesem Abend unmöglich zu spielen. Um seine Freunde nicht zu enttäuschen, versucht er es dennoch.
Die fehlenden Saiten beschränken ihn in seinem Tonraum. Sie zwingen ihn zu neuen Tonfolgen und eröffnen dem Kapellmeister musikalische Wege, die er sonst nicht zu beschreiten pflegt. Die zur Musik gesprochenen Worte führen ihn auf eine Reise in sein tiefstes Inneres, bis Kreisler gar dem Teufel persönlich gegenübersteht!